2. Februar 1996

Werner Neufliess, ein syndikalistisch organisierter Gärtner aus Breslau, der von den Nazis in das KZ Theresienstadt gesteckt wurde, war ein Bekannter meiner Großmutter. Mein Vater hatte Mitte der 1990er die Idee, mit seiner Mutter zu verreisen, bevor es nicht mehr gehen würde. Aufgrund der Bekanntschaft meines Vaters mit einem russischen Professor, sowie der Bekanntschaft meiner Großmutter mit Werner Neufliess, bot sich Israel an. Vor 1928 Geborene  mussten und müssen ein Visum beantragen, um nach Israel einreisen zu können. Vermutlich hat Werner Neufliess diesen offiziell klingenden Brief an meine Großmutter für den Fall verfasst, dass sie Probleme mit dem Visum bekommen könnte.

Liebe Sophia, hiermit möchte ich Dich herzlichst zu dem Besuch in Israel und hier in unserm Hotel einladen. Wir kennen uns nun schon seit Mai 1933 und ich habe nicht vergessen, wie herzlich ich in Euerm Haus aufgenommen worden bin. Ich kam als Flüchtling aus Berlin, war von den Nazis schwer misshandelt worden. Du hast die Wunden an meinem Rücken gepflegt und die freundliche Behandlung hat mir geholfen über die schlimme Erfahrung wegzukommen und fand sogar Arbeit bei Euch. Später musste ich das Sudetengebiet verlassen, aber die Verbindung blieb.

Von Prag aus musste ich in das Konzentrationslager in Theresienstadt von 1943 bis 1945. Ihr wurdet dann ausgesiedelt in die DDR, ich ging mit meiner Frau nach Israel und die ganzen Jahre haben mir die Briefe aus Leipzig grosse Freude gemacht. Ich bin ja noch älter als Du und gar nicht gesund und so hoffe ich, dass Du die Einreise bekommst.

Herzlichst Dein Werner Neufliess

 

 

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